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Die Mär von der mangelnden Konkurrenzfähigkeit

Die DFL versucht mit dem nächsten TV-Vertrag den vermeintlichen Rückstand in diesem Bereich zur englischen Premier League, der Primera Division und der Serie A zu reduzieren. Doch ist die Bundesliga gegenüber diesen Ländern tatsächlich finanziell im Rückstand?

Serie A ist eigentlich pleite
Der erste Blick geht zur Serie A. Die italienische Top-Liga ist hoch verschuldet. Mit insgesamt 750 Millionen EURO stehen die 20 Klubs der 1. Liga des italienischen Fußballs beim Fiskus in der Kreide. Hinzu kommen die „normalen“ Schulden, die bis auf wenige Ausnahmen jeden Klub auf der Apenninen-Halbinsel drücken. Auf deutsch: Unter normalen finanziellen Gesichtspunkten dürfte die italienische Liga eigentlich nicht mehr existieren. Weitere strukturelle Probleme bei den maroden Stadien und einem extremen Zuschauerrückgang lassen die Zukunft wenig rosa erscheinen.

In Spanien profitieren nur Real und Barca
Die Analysereise geht weiter zum nächsten Mittelmeerstaat. In Spanien gibt es keine Zentralvermarktung der TV-Gelder. Die beiden Top-Klubs Real Madrid und der FC Barcelona ergattern die mit Abstand größten Stücke vom TV-Kuchen. Die „Königlichen“ erhalten 1,2 Milliarden EURO von einer katalanischen Produktionsfirma für die Rechte an den bewegten Bildern bis zum Jahr 2013. Der Rest der Liga muss sich hingegen mit einstelligen Millionenbeträgen abfinden. Dadurch ist der sportliche Wettbewerb auf Jahre nicht gegeben. Langeweile wird sich breit machen, da sich die „Schwellenklubs“ aus Sevilla und Valencia hoch verschulden, um in Schlagdistanz zu den beiden großen Vereinen zu bleiben. Beide Vertreter stehen unter normalen finanziellen Gesichtspunkten eigentlich vor dem Aus.

In Frankreich gibt es keine Bilder mehr im Free-TV
In Frankreich ist die Liga trotz zentraler Vermarktung noch extremer, denn Olympique Lyon dominiert den Fußball bei unserem westlichen Nachbarn seit Jahren nach Belieben. Neben der großen Bank Credit Lyonnais konzentrieren sich viele andere Konzerne auf diesen einen Klub, so dass ein Wettbewerb nicht mehr stattfindet. Der Absturz vom ehemaligen Konkurrenten Paris Saint Germain nach den Erfolgen in den 90er Jahren mit mehreren Titelgewinnen war dagegen rasant, weil gleichwertige Geldgeber ausbleiben. Die Pariser sind in dieser Spielzeit nur knapp dem Abstieg entronnen. Auf die gesamte Liga dürfte ein anderes Problem in naher Zukunft zukommen. Mangelndes Interesse der Bevölkerung, denn den neuen besser dotierten TV-Vertrag hat sich die Beletage im französischen Fußball teuer erkauft. Es gibt keine bewegten Bilder der ersten französischen Liga mehr im Free-TV zu sehen.

Wem gehören die Top-Four?
Zum Schluss wandern die Augen nach England, das ja mit seiner internationalen Vermarktung der Bundesliga in Zukunft als Vorbild dienen soll. Die Engländer haben die höchsten TV-Erträge aller europäischen Ligen. 900 Millionen Euro kassieren die Klubs der Premier League per anno und obwohl die Verteilung „relativ“ gerecht erfolgt (der Meister erhält 50 Mio., der letztplatzierte Verein 30 Mio.) dominieren vier Klubs (Manchester United, Chelsea London, Arsenal London und der FC Liverpool) das Geschehen in England, die durch fremde Finanziers weitere Einnahmen generieren. Doch diese Top-Klubs haben sich dieses Geld teuer erkauft.

Chelsea müsste 1 Milliarde Euro zurück zahlen

Der FC Chelsea ist vom Gutdünken eines Roman Abramovic seines Zeichens Öl-Milliardär abhängig. Sollte Abramowitsch Chelsea verlassen, hätte der Verein nur 18 Monate Zeit die Verbindlichkeiten von 736 Millionen Pfund zu tilgen, was einem Himmelfahrtskommando gleichen würde!

ManUnited muss jährlich 90 Millionen Euro an Investoren zahlen

Nicht anders die Situation bei Manchester United: US-Milliardär Malcolm Glazer hat sich nach und nach die Mehrheit der Aktien des Klubs erkauft. Inzwischen ist der Klub sein Privateigentum. Der Einfluss geht so weit, dass der Amerikaner inzwischen seine Söhne Joel, Avram und Bryan in den Vorstand des Vereines berufen hat. Diese Investition soll sich jetzt rentieren. ManUnited muss ab dem Sommer 2008 jährlich 60 Millionen Pfund (90 Millioen Euro) an Glazer zurück zahlen.

Investorenstreit bei Liverpool
Nicht besser ist die Situation beim FC Liverpool. 2007 wurde bekannt, dass der Klub von den US-amerikanischen Geschäftsmännern George Gillett und Tom Hicks aufgekauft wurde. Inzwischen haben sich die beiden Investoren zerstritten. Allerdings wollen sie das erwirtschaftete Geld aus Liverpool ziehen und in Projekten in den USA investieren.

Arsenal noch fast in eigener Hand

Die geringste Gefahr, durch saure Investoren oder selbstherrliche Öl-Milliardäre durch einen möglichen Rückfluss des Kapitals in eine finanzielle Schieflage zu geraten, droht derzeit dem FC Arsenal London. Die Gunners haben mehrere Firmen, die größere Teile der Aktien ihr Eigen nennen. Zudem besitzen sämtliche Vorstandsmitglieder bis Oktober 2012 Optionen auf die jeweils verbleibenden 55%. Ein weiterer Trumpf für Arsenal gegen eine mögliche Übernahme ist die Tatsache, dass der ehemalige Arsenal Vizepräsident David Dein Vorsitzender der "Red & White Holdings" ist, die ein größeres Aktienpaket der Londoner besitzen.

Wenn man die Struktur der Top-Four analysiert, kommt man zu dem Schluss, dass drei Klubs auf das Goodwill ihrer Mehrheitsbesitzer angewiesen sind. Zudem ziehen die Geldgeber peu a peu mehr von dem investierten Geld wieder aus den Klubs heraus, so dass ein Ende der Dominanz der Premier League im internationalen Vergleich absehbar ist.

Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist
Jüngst hat Hannover 96-Präsident Martin Kind ähnliche Finanzmodelle für Deutschland ins Gespräch gebracht, weswegen er für die Abschaffung der 50+1-Regelung bei den Klubs ist. Diese Regelung schreibt vor, dass ein Klub grundsätzlich die Mehrheit am eigenen Verein halten muss. Angesichts der Erfahrungen aus England sollte für einen kurzfristigen sportlichen Erfolg dieser Schutz der Vereine nicht gekippt werden.

Wenn man zudem die Gelder, die die Top-Klubs in Europa außer Real Madrid und dem FC Barcelona aus TV-Verträgen generieren, nimmt, steht die Bundesliga gar nicht so schlecht da. Beim Betrachten der Gesamtsumme der TV-Verträge wird gerne vergessen, dass die Einnahmen in Deutschland nur durch 18 und nicht wie bei den drei anderen Ligen durch 20 geteilt werden.

Angesichts dieser Tatsache ist geradezu unverständlich, warum man in Deutschland die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung für das „Produkt“ Fußball gefährdet, um einen nicht vorhandenen Nachteil auszugleichen. Strukturell sind die Klubs in Deutschland wesentlich gesünder als die Vertreter der anderen Nationen, die allesamt ihr Tafelsilber bis auf die letzte Vermarktungsmöglichkeit veräußert haben. Wenn man also langfristig die besseren Karten in der Hand haben will, ist es geradezu grotesk, für einen kurzfristigen Gewinn, dieses Blatt weg zuschmeißen.

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Erstellt von Parmi 16.Jun 2008 at 12:13. Zuletzt geändert von Parmi 16.6.2008.

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